23.01.2019

Entgegen aller derzeitigen Aufregung ist es prinzipiell richtig, dass die Stadt Hannover für den offiziellen Schriftverkehr die geschlechtergerechte Sprache eingeführt hat, auch wenn es weder sinnvoll noch sprachlich korrekt ist, dass zum Beispiel aus "Lehrer" "Lehrende" werden anstatt "Lehrerinnen und Lehrer".

Entgegen allem Altherren-Gedöns ist es angemessen, dass die längst überfällige Gleichberechtigung auch in der Sprache Einzug findet, solange es dabei nicht zu binnenmasjuskelnden und sternchendurchsetzten und jeden mit Sprachgefühl gesegnetem Kopf auf die Tischplatte schlagen lassenden Wortungetüm*Innen kommt.

Da die geschlechtergerechte Sprache nunmehr landesweit auf dem Vormarsch ist, ist es jedoch auch höchste Zeit, dass schon wegen solcher Politikerinnen wie Alice Weidel für die sprachliche Gleichstellung notwendige Formulierungen wie "Blödfrau" (nicht: Blödmann*Innen) und "Beatrix von Storch" (nicht: Arsch*Innen oder Arschende) im Sprachgebrauch üblich werden.

21.01.2019

Es ist nicht so, dass es in diesem Land nichts geben würde, was der öffentlichen Empörung wert wäre – derzeit vor allem die Tatsache, dass die Bundesregierung den Aktienhandel auch jetzt nicht auf Cum-Cum- und Cum-Ex-Steuergeschäfte überprüft, obwohl der größte Steuerraub in Europa allein die deutschen Steuerzahler mindestens 31,8 Milliarden Euro gekostet hat.

Es ist auch nicht so, dass es in diesem Land keine öffentliche Empörung gibt – nachdem es in der Fußball-Bundesliga oft genug zu Fehlentscheidungen gekommen war, war der öffentliche Druck so groß, dass die Torlinientechnik und der Videobeweis eingeführt wurden; schließlich geht es bei Fußball-Bundesligaspielen um die weltbewegende Tatsache, dass sich 22 Werbeflächen so lange um den Ball streiten, bis man den Zuschauern genügend schales Bier und überteuerte Fanartikel verkauft hat.

Es ist gewiss so, dass sich die Menschen in diesem Land auch über den größten Steuerraub in Europa empören würden – aber viele setzen Prioritäten und sehen sich derzeit lieber beim Dschungelcamp an, warum immer mehr Affen abstreiten, Vorfahren des Menschen zu sein.

Und deshalb ist es so, dass viele Menschen in diesem Land höchstens dann für ihre Rechte einstehen werden, wenn sie irgendwann einmal erfahren, wie groß die Verluste infolge krimineller Aktiengeschäfte sind – umgerechnet in Latte Macchiato und Becher lauwarmen Bieres und Fanshirts und Abonnements für Klatschzeitschriften.

20.01.2019

Hinsichtlich des Ziels, den CO2-Ausstoß des Verkehrs bis zum Jahr 2030 um die Hälfte zu senken, erwägt die Bundesregierung unter anderem ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf allen Autobahnen.

Das meinen männliche deutsche Autofahrer dazu:

- Autobahnfahrten ohne Tempolimit bedeuten Freiheit – die Freiheit, sich als Kühlerfigur ein Wildtier oder einen Motorradfahrer auszusuchen.

- Ein Tempolimit ist Unsinn. Ohne ein Tempolimit kommt man viel schneller voran in einem Stau.

- Die Natur hat keine Rücksicht verdient. Eine der häufigsten Todesursachen auf deutschen Straßen ist, dass sich Bäume am Straßenrand Autofahrern mit einem Tempo von 200 km/h in den Weg stellen.

- Ein Tempolimit können die uns nicht antun. Bei vielen von uns Autofahrern ist der Bleifuß doch das einzige Körperteil, das nicht versagt, wenn es drauf ankommt.

- Als mündiger Bürger möchte man sich von niemandem beeinflussen lassen. Schließlich hat man ein Vermögen für sein Oberklasse-Auto ausgegeben, nachdem man es in einem Werbespot gesehen hat.

- In den zwei Minuten, die man wegen des Fahrens ohne Tempolimit schneller am Ziel ist, kann man schon mal das Bußgeld wegen der Raserei bei einer der vorherigen Fahrten überweisen.

17.01.2019

Anlässlich der Bundestags-Feierstunde zu 100 Jahren Frauenwahlrecht, das am 12. November 1918 beschlossen wurde und am 19. Januar 1919 bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung zum ersten Mal genutzt werden konnte, der Blog-Beitrag vom 12.11.18:

Am 12. November 1918, also vor genau 100 Jahren, wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Und 100 Jahre später können die Frauen in Deutschland wählen, ob sie für die gleiche Arbeit weniger Gehalt als Männer erhalten oder zu Hause die Kinder erziehen.

Genauso selbstverständlich wie das Frauenwahlrecht in Deutschland sollte es deshalb sein, dass Frauen für die gleiche Leistung das gleiche Gehalt wie Männer erhalten – und das Gehalt eines Menschen nicht mehr abhängig ist von dessen Testosteron-Gehalt.

Zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts fordert Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) auch für den Bundestag eine Frauenquote. Zu Recht. Als nicht sinnvoll erweist sich die derzeitige Versagerquote.

16.01.2019

Anlässlich der derzeitigen Debatte um Meinungsfreiheit:

Zu den Absurditäten heutzutage gehört, dass Menschen bei öffentlichen Aufmärschen anderen Menschen ungestraft das Ertrinken im Mittelmeer wünschen, indem sie unter anderem "Absaufen! Absaufen!" b-r-ü-l-l-e-n, und sich im nächsten Moment beschweren, man dürfe nicht mehr sagen, was man denkt.

Das Problem heutzutage besteht nicht darin, dass man nicht mehr sagen darf, was man denkt, sondern darin, dass viele nicht mehr denken, bevor sie was sagen.