27.01.2019

Aus aktuellem Anlass, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der Blog-Beitrag vom 27.01.18:

Heute, am 27. Januar, ist der Tag, an dem der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Der 27. Januar ist jedoch auch der Tag, an dem viele Deutsche sich ihrer selbst als Opfer des Nationalsozialismus gedenken, weil es über 70 Jahre nach dessen Ende diesen Gedenktag gibt, und an dem sie von ihrer persönlichen Unschuld am Nationalsozialismus so ergriffen sind, dass sie nun nichts gegen das Erstarken nationalistischen Gedankenguts tun.

Auch nach diesem Gedenktag werden an deutschen Schulen Kinder nur wegen ihres jüdischen Glaubens gemobbt und geschlagen, erhalten jüdische Restaurantbesitzer Morddrohungen, werden in diesem Land antisemitische Parolen skandiert. Der Antisemitismus in Deutschland hat genau betrachtet jedoch nicht stark zugenommen – der Antisemitismus in Deutschland hat nie abgenommen.

Der Antisemitismus bekam mit der AfD jedoch einen Lautsprecher mit Hundekrawatte.

(Bei den AfD-Politikern wartet man förmlich auf die Forderung, die Juden, die laut aller verzerrten Tatsachen und Verschwörungstheorien an allem schuld sind, müssten bei den Deutschen um Entschuldigung bitten, weil sie mit ihrer Existenz die Deutschen zum Antisemitismus nötigen.)

Neue Regelung: Nicht nur Feier- und Gedenktage – jeder Tag ist ein Tag der Menschlichkeit und des immerwährenden Widerstands gegen Unrecht.

25.01.2019

Ihr, AfD-Politiker, habt nun von der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ein Aufenthaltsverbot erhalten, solange Ihr Euch "nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen" in Eurer Partei distanziert.

(Bis dahin wird ein Äon vergehen, denn eher macht ein Bremer Kantholz wegen der aus jahrelanger Nichtverwendung resultierenden Langeweile einen Universitätsabschluss als ein AfD-Politiker eine einsichtige Äußerung.)

Und, nein, das ist kein unberechtigtes Aufenthaltsverbot. Allein die Anzahl Eurer Äußerungen, die den Holocaust infrage stellen, ist größer als die Anzahl der Hauptschulabbrecher unter AfD-Wählern.

Im letzten Jahr musste in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen außerdem eine Führung abgebrochen werden, weil in einer Besuchergruppe aus dem Wahlkreis der AfD-Politikerin Alice Weidel einige Teilnehmer diese Führung mit antisemitischen Äußerungen gestört und zudem die Existenz von Gaskammern angezweifelt haben.

Für Euch, AfD-Politiker, ist der geeignetste Aufenthaltsort zweifellos das Dschungelcamp – wenn Ratten, Krokodile und Kakerlaken mal eine Ekelprüfung ablegen möchten.

23.01.2019

Entgegen aller derzeitigen Aufregung ist es prinzipiell richtig, dass die Stadt Hannover für den offiziellen Schriftverkehr die geschlechtergerechte Sprache eingeführt hat, auch wenn es weder sinnvoll noch sprachlich korrekt ist, dass zum Beispiel aus "Lehrer" "Lehrende" werden anstatt "Lehrerinnen und Lehrer".

Entgegen allem Altherren-Gedöns ist es angemessen, dass die längst überfällige Gleichberechtigung auch in der Sprache Einzug findet, solange es dabei nicht zu binnenmasjuskelnden und sternchendurchsetzten und jeden mit Sprachgefühl gesegnetem Kopf auf die Tischplatte schlagen lassenden Wortungetüm*Innen kommt.

Da die geschlechtergerechte Sprache nunmehr landesweit auf dem Vormarsch ist, ist es jedoch auch höchste Zeit, dass schon wegen solcher Politikerinnen wie Alice Weidel für die sprachliche Gleichstellung notwendige Formulierungen wie "Blödfrau" (nicht: Blödmann*Innen) und "Beatrix von Storch" (nicht: Arsch*Innen oder Arschende) im Sprachgebrauch üblich werden.

21.01.2019

Es ist nicht so, dass es in diesem Land nichts geben würde, was der öffentlichen Empörung wert wäre – derzeit vor allem die Tatsache, dass die Bundesregierung den Aktienhandel auch jetzt nicht auf Cum-Cum- und Cum-Ex-Steuergeschäfte überprüft, obwohl der größte Steuerraub in Europa allein die deutschen Steuerzahler mindestens 31,8 Milliarden Euro gekostet hat.

Es ist auch nicht so, dass es in diesem Land keine öffentliche Empörung gibt – nachdem es in der Fußball-Bundesliga oft genug zu Fehlentscheidungen gekommen war, war der öffentliche Druck so groß, dass die Torlinientechnik und der Videobeweis eingeführt wurden; schließlich geht es bei Fußball-Bundesligaspielen um die weltbewegende Tatsache, dass sich 22 Werbeflächen so lange um den Ball streiten, bis man den Zuschauern genügend schales Bier und überteuerte Fanartikel verkauft hat.

Es ist gewiss so, dass sich die Menschen in diesem Land auch über den größten Steuerraub in Europa empören würden – aber viele setzen Prioritäten und sehen sich derzeit lieber beim Dschungelcamp an, warum immer mehr Affen abstreiten, Vorfahren des Menschen zu sein.

Und deshalb ist es so, dass viele Menschen in diesem Land höchstens dann für ihre Rechte einstehen werden, wenn sie irgendwann einmal erfahren, wie groß die Verluste infolge krimineller Aktiengeschäfte sind – umgerechnet in Latte Macchiato und Becher lauwarmen Bieres und Fanshirts und Abonnements für Klatschzeitschriften.

20.01.2019

Hinsichtlich des Ziels, den CO2-Ausstoß des Verkehrs bis zum Jahr 2030 um die Hälfte zu senken, erwägt die Bundesregierung unter anderem ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf allen Autobahnen.

Das meinen männliche deutsche Autofahrer dazu:

- Autobahnfahrten ohne Tempolimit bedeuten Freiheit – die Freiheit, sich als Kühlerfigur ein Wildtier oder einen Motorradfahrer auszusuchen.

- Ein Tempolimit ist Unsinn. Ohne ein Tempolimit kommt man viel schneller voran in einem Stau.

- Die Natur hat keine Rücksicht verdient. Eine der häufigsten Todesursachen auf deutschen Straßen ist, dass sich Bäume am Straßenrand Autofahrern mit einem Tempo von 200 km/h in den Weg stellen.

- Ein Tempolimit können die uns nicht antun. Bei vielen von uns Autofahrern ist der Bleifuß doch das einzige Körperteil, das nicht versagt, wenn es drauf ankommt.

- Als mündiger Bürger möchte man sich von niemandem beeinflussen lassen. Schließlich hat man ein Vermögen für sein Oberklasse-Auto ausgegeben, nachdem man es in einem Werbespot gesehen hat.

- In den zwei Minuten, die man wegen des Fahrens ohne Tempolimit schneller am Ziel ist, kann man schon mal das Bußgeld wegen der Raserei bei einer der vorherigen Fahrten überweisen.