Satire-Blog

15.10.2021

Rassismus zu bekämpfen respektive anzuprangern ist richtig. Falsch ist das neue Feindbild vom alten weißen Mann – ein Klischee, das genauso rassistisch ist wie Klischees und Vorurteile gegen Menschen aus Asien oder Afrika.

Rassismus besteht gerade darin, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe und anderer Merkmale negative Eigenschaften zuzuordnen und als geringerwertig zu betrachten.

Viele alte weiße Männer sind Rassisten; und die Führungspositionen in unserer von Rassismus durchdrungenen Gesellschaft haben meist alte weiße Männer inne. Deshalb das Stereotyp zu erschaffen, das alte weiße Männer pauschal als Rassisten diskriminiert, ist jedoch unangemessen. Rassisten gibt es unter Menschen jeder Herkunft, jedes Geschlechts und jedes Alters; und nicht nur unter der Führung alter weißer Männer hat sich Rassismus konsolidiert.

So manch alter weißer Mann hat in seinem Leben gewiss mehr gegen Rassismus getan als die meisten jungen Menschen, deren selbsternanntes Engagement gegen Rassismus sich darauf beschränkt, mit Schlagworten versehene Facebook-Profilbilder zu posten.

Wer einwenden möchte, es seien nicht alle alten weißen Männer gemeint oder diese Redewendung sei aufgrund der bestehenden Herrschaftsstruktur etwas anderes und nicht kritikwürdig, der übersieht das aus einem Klischee resultierende Problem: Es beginnt damit, dass klischeehafte Formulierungen respektive verallgemeinernde Bezeichnungen verwendet werden; und es endet damit, dass im Sprachgebrauch und in den Denkmustern der Menschen falsche Feindbilder verankert sind.

Zu den Feinden einer erstrebenswerten humanistischen Gesellschaft gehören unter anderem alle Rassisten – und nicht Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Alters.

Rassismus bekämpft man vor allem dadurch, indem man rassistische Klischees, Stereotype und Vorurteile entlarvt und aus der Welt schafft.
Rassismus bekämpft man nicht dadurch, indem man rassistischen Stereotypen andere rassistische Stereotype gegenüberstellt.

13.10.2021

„Von wegen, infolge des Brexits hätten viele Briten keine Perspektive mehr", entgegnet Boris Johnson auf diesbezügliche Kritik. „Jeder einjährige Brite, der einen Bobby-Car vorwärtsbewegen kann, steht kurz vor der Zwangsrekrutierung zum LKW-Fahrer."

12.10.2021

Bemerkenswert, wie viele Menschen sich wegen ihrer Augenfalten unwohl fühlen, anstatt wegen ihres von Vorurteilen gegenüber anderen Menschen verstellten Blicks, dessentwegen sie tatsächlich abstoßend sind.

06.10.2021

Journalisten aus verschiedenen Ländern haben durch ein Datenleck neue Steuerskandale von Politikern, Stars und Firmenchefs aufgedeckt. Die Dokumente, in denen die Daten der Steuerbetrüger enthalten sind, heißen „Pandora Papers" – das klingt diplomatischer als „data de asoziala".

Natürlich haben die Steuersünder genügend Ausreden parat:

Silvio Berlusconi (ehemaliger Ministerpräsident Italiens): „Mein Geld hat immer gearbeitet – im Gegensatz zu mir. Und deshalb macht es auch mal Urlaub in anderen Ländern."

Shakira (Sängerin): „Da mein Geld mich den ganzen Tag singen hört, flüchtet es natürlich in die Ferne."

Zahlreiche Firmenchefs: „Warum soll ich in dem Land, in dem ich meinen Firmensitz habe, Steuern zahlen, obwohl hier wegen fehlender Steuergelder die Straßen nicht saniert und technische Innovationen nicht ausreichend gefördert werden?"

Steuern gehören jedoch zu den Grundlagen des Allgemeinwohls. Wer glaubt, Steuern seien unnötig und gereichten ihm zum Nachteil, der sollte mal für eine gewisse Zeit nur die von ihm bezahlbare medizinische Versorgung erhalten, seinen Kindern nur den von ihm bezahlbaren Unterricht zuteilwerden lassen und nur den von ihm bezahlbaren Straßenabschnitt benutzen.

Das Problem besteht aber nicht nur darin, dass die meisten Menschen ungern Steuern zahlen. Das Problem besteht auch darin, dass die zuständigen Behörden Hartz-IV-Empfänger und von Mini-Rente lebende Menschen so lange durchsuchen, bis sie deren einbehaltenen Flaschenpfand in Höhe von 30 Cent aufgespürt haben, wogegen die Finanzbeamten die Offshore-Geschäfte der Multi-Millionäre dergestalt prüfen, dass sie dabei höchstens die Papillarlinien ihrer Handinnenflächen registrieren.

Panama, Luxemburg, Kaimaninseln – diese Swingerclubs für hinterzogene Steuergelder, diese Vergnügungsparks für Schwarzgeld.
Dagegen müssten die Finanzbehörden so hartnäckig vorgehen, dass dieses feudale Geld fortan Schulen saniert, die Gesundheitsversorgung gewährleistet und bedürftigen Menschen hilft.

03.10.2021

Trotz der Wahlniederlage der CDU möchte Armin Laschet immer noch Kanzler werden. Er hält dies für berechtigt, weil er während des Wahlkampfes und sogar inmitten der Hochwasserkatastrophe die 3G-Regel eingehalten hat: gelacht, geklüngelt, gescheitert.

67 Prozent der Deutschen möchten Armin Laschet nicht als Kanzler; 55 Prozent bevorzugen die sogenannte Ampel-Koalition, während nur 22 Prozent die sogenannte Jamaika-Koalition befürworten. Darin erkennt Armin Laschet den Wunsch der Wähler nach einer von ihm geführten Jamaika-Koalition ebenso klar wie Beethovens Neunte Sinfonie in einer schrillenden Feuerwehrsirene.

Für die meisten deutschen Politiker ist es wichtiger, in diesem Land Macht zu haben, als für dieses Land etwas gemacht respektive geleistet zu haben.

Viele Deutsche wünschen sich zum Beispiel mehr Arbeitsplätze, die einen angemessenen Lebensunterhalt sichern. In Anbetracht dieses Wählerwillens haben die deutschen Politiker gesagt: „Na gut. Statt der bisher größten Zahl von 709 Sitzen im Bundestag gibt es fortan 735 Bundestagssitze."

Der Umstand, dass Andreas Scheuer als Verkehrsminister amtiert, ist für die Politiker Deutschlands der Beweis, dass sie sogar schwer vermittelbaren Menschen einen gutbezahlten Arbeitsplatz verschaffen können.

Wohin es führen kann, wenn Politiker nach größtmöglicher Geltung statt nach dem Allgemeinwohl streben, wird in Großbritannien deutlich: Die britische Regierung unter Boris Johnson ist im Streben nach einem „Global Britain" aus der Europäischen Union ausgetreten; und nun stehen die britischen Bürger vor leeren Supermarkt-Regalen und hadern des weiteren mit dem Benzinmangel aufgrund fehlender LKW-Fahrer aus Europa.
Da die Regierung Großbritanniens in Reminiszenz an die Glanzzeiten der einstigen Kolonialmacht wieder alte Maße und Gewichtseinheiten wie Unzen und Stein eingeführt hat (16 Unzen sind ein Pfund, 14 Pfund ein Stein), sollte sie nun konsequenterweise auch Maße und Gewichtseinheiten mit Bezug zur Gegenwart einführen: Ein britisches Parlament entspricht 10.000 Metern leerer Supermarkt-Regale; ein Brexit wiegt so schwer wie das Fehlen von 100.000 LKW-Fahrern; und ein Johnson ist ein Hohlraum von anderthalb Kubikmetern.