Satire-Blog

11.09.2021

Gewiss, eine Demokratie hat gegenüber einer Diktatur nur Vorteile: Allein die Möglichkeit, seine Meinung frei äußern zu dürfen, ohne dass ein nordkoreanischer Pausbackenhamster bei einer von ihm abweichenden Meinung den Erschießungsbefehl erteilt, verbessert die Lebensqualität erheblich.

Allerdings kann auch eine Demokratie schmerzhaft sein, und zwar, wenn die Menschen bei einer Bundestagswahl die Qual der Wahl haben zwischen Parteien, deren Kanzlerkandidaten und Kanzlerkandidatin Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock heißen.
Also drei Kandidierende, deretwegen man der Regierung Japans gern die Aufforderung zukommen ließe, sie solle mit der Züchtung von Mensch-Schaf-Chimären sofort aufhören.

Der nächste Bundeskanzler respektive die nächste Bundeskanzlerin muss viele Probleme bewältigen: Es gilt unter anderem, sinnvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel zu beschließen, den Rechtsextremismus und den wegen der Quarkdenker noch mehr als sonst grassierenden Antisemitismus konsequent zu bekämpfen sowie die zunehmende Armut und Chancenlosigkeit vieler Menschen zu beseitigen.

Und inmitten einer Zeit, in der solche Herausforderungen zu meistern sind, heißen die Kanzlerkandidaten und die Kanzlerkandidatin Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock. Jeder Schüler in der 1. Klasse lernt, dass bei der Multiplikation mit Null das Ergebnis immer Null ist. Dennoch versucht man während des Wahlkampfes den Eindruck zu vermitteln, drei mal Null ergäbe einen würdigen Bundeskanzler.

Da ist zum einen Armin Laschet: Auf der Suche nach einem geeigneteren Kanzlerkandidaten würden sich die meisten Menschen in Deutschland sogar eher für eine Luftpumpe entscheiden.

Die Tatsache, dass die CDU unter seiner Führung in den Umfragen fortwährend abrutscht, kann Armin Laschet nicht verstehen: Er hat doch bewiesen, dass er sich auch inmitten einer Katastrophe sein Lachen bewahrt.

Armin Laschet hat – ebenso wie Annalena Baerbock – Plagiate begangen. Dass Armin Laschet keinen Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer hat, ist auch darauf zurückzuführen, dass jemand ohne eigenes Eigentum keine Verlustangst kennt.

Da ist zum anderen Olaf Scholz: Im Gegensatz zu Armin Laschet und Annalena Baerbock hat man ihn noch nicht bei Plagiaten erwischt – weil seine langweiligen Ausführungen niemand liest.

Olaf Scholz führt derzeit in den Umfragen, denn viele Menschen schätzen seine unaufgeregte Art – ebendiese unaufgeregte Art, mit der Olaf Scholz sowohl beim Wirecard- als auch beim Cum-Ex-Steuerskandal nicht gehandelt hat.

Nach 16 Jahren mit Bundeskanzlerin Angela Merkel möchten viele Deutsche an ihrer Spitze auch weiterhin jemanden, der sie nicht von solch wichtigen Themen wie strittigen Elfmetern und Lothar Matthäus' 58. Ehefrau ablenkt.

Und da ist außerdem Annalena Baerbock: Etwas Kompetenteres und Charismatischeres findet man in jedem Gurkenglas.

Als Frau, die – zu Recht – Gleichberechtigung einfordert, lässt sie, so wie viele Männer in der Politik, Schönheitsoperationen natürlich nicht an ihrem Körper vornehmen, sondern an ihrem Lebenslauf.

Unter ihrer Führung könnte man es endlich schaffen, ganz Deutschland mit Erneuerbaren Energien zu versorgen – sofern es gelänge, die beim Suhlen in Fettnäpfchen entstehende Bewegungsenergie umzuwandeln.

Angesichts dieser Kandidierenden wissen sogar viele bisherige Stammwähler einer Partei nicht, welche Partei sie bei dieser Bundestagswahl wählen werden. Die AfD zu wählen ist trotz alldem falsch. Auch bei der Wahl zwischen ein paar trüben Tassen empfiehlt sich kein Griff zum Güllefass.

Viele Wählerinnen und Wähler in Deutschland stehen deshalb vor einem Dilemma. Nicht zu wählen bedeutet, extremistischen Parteien zu einem besseren Wahlergebnis zu verhelfen. Die AfD-Anhänger gehen alle wählen – schon aus Stolz, weil man ihnen nach deren zehnjährigem Aufenthalt in der achten Klasse eingeredet hat, sie könnten mit dem Hinterlassen eines Kreuzes endlich ihren Namen schreiben.

In Anbetracht dieser Situation kommen viele Menschen auf die Idee, bei der Bundestagswahl eine Partei zu wählen, die vermutlich nicht die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Falls nun allzu viele Menschen diese Wählertaktik praktizieren und ihr Kreuz zufällig bei derselben Partei machen, dann regieren in Deutschland demnächst die Grauen Panther oder die Partei der Pizza-Hawaii-mit-Ananas-Esser.

Damit die Menschen in Deutschland trotz dieser Aussichten nicht verzweifeln und infolgedessen Dummheiten begehen, wie zum Beispiel den schwachsinnigen Prophezeiungen Michael Wendlers anheimzufallen, sollten sie optimistisch bleiben: Vielleicht stellt sich nach der Bundestagswahl heraus, dass Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock den Menschen in diesem Land doch zu einem besseren Leben verhelfen können – zum Beispiel, indem man die drei in hochwassergefährdeten Gebieten postiert, damit sich die nächste herannahende Hochwasserwelle sagt: „Ach, die Menschen in Deutschland haben wirklich schon genug Katastrophen."

03.09.2021

Ihr, Medien, habt in den letzten Tagen solche Schlagzeilen herausposaunt wie „Vermögenssteuer schadet Wirtschaft massiv" (Handelsblatt) und „Vermögenssteuer könnte Wachstum bremsen" (Spiegel).
Eher nebenbei habt Ihr darauf hingewiesen, dass diese unbewiesenen Behauptungen auf Berechnungen des Ifo-Instituts basieren und dass das Ifo-Institut diese Berechnungen im Auftrag von Unternehmern durchgeführt hat.
Und überhaupt nicht erwähnt habt Ihr die Tatsache, dass das Ifo-Institut eine arbeitgebernahe Einrichtung ist, die – damals unter dem Ifo-Präsidenten Hans-Werner (Un-)Sinn – auch schon vor der Einführung des Mindestlohns derart eindringlich gewarnt hat, als zöge eine etwas gerechtere Bezahlung von Arbeitnehmern den Untergang des Abendlandes nach sich.

Es ist ebendieses Ifo-Institut, nach dessen Berechnungen die Einführung des Mindestlohns den Verlust von fast einer Million Arbeitsplätzen bedeutet haben würde – eine aus dem Jahr 2014 stammende Vorhersage, die ebenso ausgeblieben ist wie eine sinnvolle Beschäftigung für den ehemaligen Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn(-los).

Es ist dasselbe Ifo-Institut, das auch vor den angeblich schädlichen Folgen von Klimaschutzgesetzen auf die Wirtschaft warnt und dabei die Tatsache verkennt, dass die Folgen des Klimawandels die Wirtschaft schädigen werden und nicht Innovationen beim Klimaschutz – wie das Bewalden ganzer Regionen durch das Pflanzen eines Baumes für jede falsche Berechnung des Ifo-Instituts.

Es ist das Ifo-Institut, dessen Geschäftsklimaindex von Euch, Medien, ständig erwähnt wird, obwohl sogar eine blinde Kartenleserin wissenschaftlich fundiertere Prognosen erstellt.

Dass dieses Ifo-Institut nun, da sowohl die SPD als auch die Grünen und die Linke eine Vermögenssteuer fordern, nach einer im Auftrag von Unternehmern durchgeführten Berechnung eine Vermögenssteuer verteufelt, war so vorhersehbar wie intellektuelle Insuffizienz im Dschungelcamp.

Dass Ihr, Medien, solche Darstellungen oft unreflektiert übernehmt, ist jedoch ebenso unangemessen, als würdet Ihr nach einer im Auftrag des Waffenherstellers Heckler & Koch durchgeführten Berechnung des Ifo-Instituts schreiben: „Ein Verbot von Waffenexporten in Krisengebiete verursacht Hungerödeme bei Hundewelpen."

Oder, als würdet Ihr nach einer im Auftrag des Nestlé-Konzerns erstellten Studie des Ifo-Instituts schreiben: „Eine Reduzierung des Zuckergehalts in Nahrungsmitteln verlangsamt die Autos deutscher Bürger."

29.08.2021

Du, Markus Söder, hast hinsichtlich der Lage in Afghanistan behauptet: „Um politisch relevant zu sein und ernstgenommen zu werden, muss Deutschland an robusten Einsätzen teilnehmen. Dazu brauchen wir endlich auch neue Waffensysteme wie zum Beispiel bewaffnete Drohnen."

Auch wenn Du, Söderle, der einzige Krapfen bist, der es vom Christkindlesmarkt in Deiner Heimatstadt Nürnberg in ein Regierungsamt geschafft hat, solltest Du mal Deine Füllung untersuchen lassen.

Um politisch relevant zu sein und ernstgenommen zu werden, muss Deutschland nicht noch einmal zig Milliarden Euro für das einzig nachhaltige Ergebnis ausgeben, dass für Sarghersteller ein Shuttle-Service zwischen Afghanistan und den NATO-Ländern lukrativ wäre.

Um politisch relevant zu sein und ernstgenommen zu werden, muss Deutschland unter anderem eine vorausschauende Klimapolitik betreiben, Rechtsextremismus und Antisemitismus konsequent bekämpfen, die Gleichberechtigung der Frauen etablieren und die zunehmende Ungleichheit zwischen Armen und Reichen beseitigen.

Und anstatt bewaffnete Drohnen einzusetzen, sollte man Dich über Afghanistan abwerfen. Da sich infolgedessen der IS mit Dir herumärgern müsste, hätte man den IS mit nur einem Blindgänger kampfunfähig gemacht.

27.08.2021

Auch eine aktuelle Studie belegt es: Zwischen dem Klimawandel und solch einem Hochwasser wie im Juli dieses Jahres gibt es ebenso einen Zusammenhang wie zwischen Fernsehübertragungen von LGBT-Demonstrationen und Gallenbeschwerden bei den Taliban.

Viele Menschen hatten geglaubt, Klimaerwärmung würde nur bedeuten, dass sie fortan öfter T-Shirts tragen. Tatsächlich bedeutet Klimaerwärmung, dass sie die Reste ihres Besitzes fortan öfter zu einer Müllhalde tragen.

Mehr Angst als vor Hochwassern haben zahlreiche Menschen jedoch vor der wegen des Klimawandels erhobenen Forderung, aus Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen ihre Lebensweise zu ändern. Infolgedessen fragen sich viele Menschen entsetzt: „Wenn ich auf Currywurst und Schweinebraten verzichten soll, was esse ich dann als Schnitzelbeilage?"

Und: „Wenn ich die Abholzung des Regenwaldes nicht mehr gleichgültig hinnehmen soll, woher bekomme ich dann Dachlatten für den geplanten Schuppen?"

Schon bei der Vorstellung, den 100 Meter langen Weg zum Friseur oder ins Fitnessstudio nicht mehr auf vier SUV-Rädern zurückzulegen, fühlen sich etliche Menschen für die Paralympics qualifiziert.

Die meisten Menschen nehmen gern Gammelfleisch im Sonderangebot und gefälschte Uhren von Schwarzhändlern, aber keine Rücksicht.
Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen zu nehmen besteht nicht schon darin, keine Kinder zu zeugen.
Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen zu nehmen besteht auch nicht in dem Plan: „Ich mache so viele Kreuzfahrten wie möglich, denn infolgedessen können meine Kinder und Enkel Kreuzfahrten durch die Sahara machen."

Sobald jemand zu Recht darauf hinweist, dass eine umweltfreundlichere Lebensweise angemessen sei, krakeelen in Deutschland viele Menschen: „Die Chinesen nehmen auch keine Rücksicht auf die Natur; warum also soll ich das machen?!"
Bemerkenswert ist, dass sich in Deutschland kein einziger Mensch sagt: „Die Chinesen leben in einer echten Diktatur; warum also mache ich das nicht auch?!"

Ob sich die Menschheit grundlegend ändern wird, kann man getrost bezweifeln; deshalb sollte der Begriff „Generationengerechtigkeit" den auf alle Generationen gerecht verteilten Bestand von zu zerstörender Natur bedeuten.

Die Menschen sollten fortan so leben, dass auch ihre Kinder und Enkel noch Plastikmüll im Meer entsorgen und mit Billigflugreisen Südseeinseln in Unterwasserlandschaften verwandeln können.

Um die Menschen gegen die Hochwasser zu schützen, die wegen des Klimawandels öfter und heftiger auftreten werden, bedarf es natürlich auch kurzfristiger Maßnahmen: Zum einen muss man in Deutschland wieder ein funktionierendes Sirenensystem installieren. Zum anderen muss man die Menschen in Deutschland für den Sirenenalarm wieder sensibilisieren.
Die Menschen in Deutschland müssen wissen: Wenn etwas Lautes und Grässliches ertönt, dann ist das meist ein Sirenenalarm, bei dem man das Haus verlassen muss, und nicht immer ein Xavier-Naidoo-Konzert, bei dem man zu Hause bleiben sollte.

24.08.2021

Wegen eines fortwährenden Notstands erwägt die Bundesregierung nun, die Bundeswehr – nach Grundgesetz Artikel 87a Absatz 4 – im Inneren einzusetzen. In Deutschland gebe es drastische Menschenrechtsverstöße und unhaltbare Zustände:

Frauen bekommen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Lohn als Männer; radikale Gruppen wie die AfD planen den Aufbau antidemokratischer Strukturen; und offensichtlich haben viele Menschen keinen Zugang zu Bildung, denn eine zunehmende Anzahl Deutscher glaubt, die Erde sei eine Scheibe, und zur Klasse der Säugetiere gehörende Lebewesen wie Angela Merkel seien eine Echsenart namens Reptiloide.

Mit dem Einsatz der Bundeswehr in Deutschland, so die Bundesregierung, wolle man überprüfen, ob sich in einem Land, in dem religiös-fundamentalistische Organisationen wie die CSU Regierungsämter innehaben, durch einen Militäreinsatz humanistische Werte wie die Gleichberechtigung der Frauen realisieren lassen.

Wenn dies nicht der Fall sei, dann brauche man einen Bundeswehreinsatz in Ländern wie Afghanistan überhaupt nicht erst in Betracht zu ziehen; und man müsse darüber nachdenken, wie man zum Beispiel den dort lebenden Frauen und Kindern auf andere Weise hilft.

Lediglich eines könnte die Bundesregierung von ihrem Plan abhalten: Wenn die Bundeswehr auch nach zwanzigjährigem Einsatz in Deutschland keinen Erfolg hätte und die Soldaten schließlich die Rückreise in ihre Heimatstädte anträten, dann käme es auf dem Berliner Hauptstadtflughafen erfahrungsgemäß zu einem unbeschreiblichen Chaos.