Satire-Blog

16.07.2020

Die Corona-Pandemie hat auch in Deutschland schlimme Folgen: hohe Unsicherheit, hohe Verluste in der Kulturbranche – und hohe Beliebtheitswerte für Markus Söder.

Eine der schlimmsten Folgen besteht darin, dass der in Deutschland ohnehin weitverbreitete Antisemitismus noch weiter angewachsen ist. Wegen der derzeit sehr eingeschränkten Ausgehmöglichkeiten widmen sich viele Deutsche verstärkt ihrem Hobby.

Und das Verschwörungsgeschwurbel Xavier Naidoos und Attila Hildmanns ist Dünger auf dem geistigen Brachland, auf dem Antisemitismus aufkeimt.

Um ihre Vorurteile gegenüber Menschen jüdischen Glaubens scheinbar rechtfertigen zu können, verweisen viele Deutsche pauschal auf Israel. Tatsache ist: An der Politik Israels kann man genauso viel kritisieren wie, bei genauerem Hinsehen, an der Politik jedes anderen Landes auf der Welt.
Menschen in Israel kritisieren ihre Regierung ebenso wie Menschen in anderen Ländern ihre Regierung.
Das Problem besteht darin, dass besonders die Deutschen mit Vorurteilen gegenüber Menschen jüdischen Glaubens nur auf Israel blicken und sich von anderen Nachrichten nicht aus der Ruhe bringen lassen:

„China hat Tibet seit 1951 besetzt." – „Bei unserem Lieblings-Chinesen essen wir immer Ente süß-sauer."

„In vielen Ländern, wie zum Beispiel in Kenia, werden Homosexuelle verfolgt." – „Aus Kenia kommen wirklich Weltklasse-Läufer."

„In Indien und Bangladesch schuften Kinder bis zu elf Stunden am Tag in Textilfabriken." – „Also wir fördern die Begabung unserer kleinen Tochter mit täglichem Mandarin-Unterricht."

„Deutschland exportiert Waffen und Rüstungsgüter auch in Kriegs- und Krisengebiete." – „Waffen nur in Länder zu liefern, in denen Frieden herrscht, wäre für die deutschen Rüstungskonzerne so profitabel wie die Lieferung von Hochzeitskatalogen an katholische Priester."

„In Brasilien wird derzeit mehr Regenwald abgeholzt als jemals zuvor." – „Im Baumarkt gibt es derzeit günstiges Bauholz für unseren geplanten Geräteschuppen."

Aber:

„In Israel sind ..." – „Die Juden sind an allem schuld!"

Das Land Israel hat sich nicht mehr zuschulden kommen lassen als andere Länder, aber wegen seiner Winzigkeit passt das Land Israel genau in den Scheuklappenblick bzw. in das von Engstirnigkeit begrenzte Weltbild vieler Menschen.

Die Deutschen, die ihren Judenhass mit dem pauschalen Verweis auf Israel zu begründen versuchen, sollten sich fragen, ob sie es als gerecht empfänden, wenn man sie wegen einiger umstrittener und von ihnen selbst kritisierter Entscheidungen der Bundesregierung hassen würde ...

@Schluss-mit-Antisemitismus

14.07.2020

Du, Boris Palmer (Oberbürgermeister Tübingens), hast bei einer Facebook-Diskussion mit Deiner Parteikollegin Maike Pfuderer selbige in abfälliger Art als Trans-Frau geoutet und ihren abgelegten Geburtsnamen benutzt.

(Die Nennung des abgelegten Geburtsnamens ohne Einwilligung dieses Menschen ist ein Verstoß gegen Paragraph 5 Offenbarungsverbot.)

Wie tief, Boris Palmer, muss jemand wegen fehlender Persönlichkeit gesunken sein, damit er sich durch die Diffamierung von Trans-Menschen einen Auftrieb zu geben versucht?

Niemand würde etwas dagegen sagen, wenn Du fortan auch offiziell als das Würstchen lebst, das Du schon immer gewesen bist.

Alle Menschen würden Dich selbstverständlich Würstchen nennen – und darauf, Deinen derzeitigen Namen mit irgendeiner Silbe noch einmal zu erwähnen, würde jeder gern verzichten.

13.07.2020

Nun, da das Coronavirus deutsche Urlauber am Ballermann erlebt hat, erwägt es zu seinem Schutz eine für sich geltende Abstandsregel und Ausgangssperre.

12.07.2020

US-Präsident Donald Trump wird derzeit gefeiert, weil er das erste Mal öffentlich eine Maske getragen hat. „Das gebietet der Respekt gegenüber den Mitmenschen", sagte Donald Trump ergriffen, „wenn wegen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus der Atem nach Desinfektionsmittel riecht."

11.07.2020

Fünf Dinge sind es, die man wegen der derzeitigen Debatte in der CDU um eine Frauenquote richtigstellen muss (nachfolgend ein aktualisierter Auszug aus einer meiner Kolumnen, die ich im Jahr 2014 veröffentlicht habe):

1. Eine Frauenquote ist nicht überflüssig. Überflüssig wäre eine Frauenquote nur in einer gerechten Welt, in der Frauen und Männer nicht bloß auf dem Papier, sondern tatsächlich gleichberechtigt sind. Von einer gerechten Welt sind wir aber leider so weit entfernt wie Björn Höcke von der Hochzeit mit einer Frau aus Ghana.

2. Für die Vergabe von Arbeitsstellen bzw. Führungspositionen soll natürlich die Kompetenz entscheidend sein. Tatsache ist jedoch, dass Frauen immer noch benachteiligt werden, auch wenn sie die gleiche Kompetenz wie die männlichen Bewerber haben. Eine Frauenquote hilft dabei, dass Frauen überhaupt erst mal in die Positionen kommen, in denen sie dann ihre den Männern ebenbürtige Kompetenz beweisen können.

3. Der Einwand, wonach Positionen nur nach Kompetenz vergeben werden sollten, ist auch deshalb scheinheilig, weil die meisten Männer nicht durch ihre Kompetenz in Führungspositionen gelangt sind. Würde man Führungspositionen nach Kompetenz vergeben, dann würden Politiker wie Horst Seehofer und Andreas Scheuer an der 0,01-Prozent-Kompetenz-Hürde scheitern.

4. Eine Frauenquote bedeutet – entgegen der schlichten Geistern jedes Geschlechts innewohnenden Meinung – keinesfalls, dass wir allein dadurch in einer gerechten Welt leben.
Die Auffassung vieler Männer, wonach Männer für Führungspositionen geeigneter seien als Frauen, ist genauso falsch wie die unter vielen Frauen verbreitete Auffassung, wonach es in einer von Frauen regierten Welt keine Kriege gebe.
Die Tatsache, dass Kompetenz und Führungsstärke keine spezifisch männlichen Eigenschaften sind sowie Empathie und Vernunft keine spezifisch weiblichen Eigenschaften, kann ein Großteil der Menschen leider nicht differenzieren.

Nach Einführung einer Frauenquote wird sich – wie auch derzeit – zeigen, dass die Frauen in Führungspositionen genauso oft ungeeignet sind wie Männer.
Wir haben jedoch nur dann die Chance, die existierenden Probleme zu lösen, wenn Frauen und Männer endlich gleichberechtigt handeln.

5. Es ist höchste Zeit für eine Frauenquote. Als nicht sinnvoll erweist sich die derzeitige Versagerquote.