Satire-Blog

24.05.2018

Ihr Lieben,

ich freue mich über Euer einhelliges Einverständnis damit, dass Eure Daten bzw. Namen in der Rubrik „Zuschriften" auch nach der neuen Datenschutz-Grundverordnung weiterhin erhalten bleiben.

Fernab bürokratischer Neuregelungen war es ja auch klar: Als Ihr in der Rubrik „Zuschriften" Euren Namen und Euer Feedback in den dafür vorgesehenen Feldern eingetragen habt, da tatet Ihr das in dem Bewusstsein, dass dies veröffentlicht wird.

Und wie Ihr gewiss bemerkt habt, werden seit viereinhalb Jahren sowieso nur noch die Resonanzen der Veranstalter und die Artikel der Presse veröffentlicht. Ich erhalte sehr viele Zuschriften mit (durchweg sehr positivem) Feedback zu meinem aktuellen Buch und meinem Kabarett-Programm. Das Veröffentlichen all dieser Zuschriften würde diese Rubrik rasch zu unübersichtlich werden lassen.

Unabhängig davon, freue ich mich über Eure Zuschriften und die fortwährende Korrespondenz mit Euch.

Beste Grüße,

Gunnar

23.05.2018

Bezeichnend für die Situation in diesem Land ist, dass der heutige 23. Mai, der Tag des Grundgesetzes, das wegen der Zeit des Nationalsozialismus jedem hier lebenden Menschen unveräußerliche Grundrechte garantiert und dessen oberster Verfassungsgrundsatz lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar", kein Feiertag ist, hingegen jedoch das Fest Christi Himmelfahrt, das wegen einer erfundenen Religionsgeschichte jedem hier lebenden Mann das Recht auf Umherziehen mit einem Böllerwagen garantiert und dessen neu interpretierter Handlungsgrundsatz lautet: „Die Würde des Menschen ist unauffindbar".

Alles Gute zum 69. Geburtstag, Grundgesetz. Mögen die Ausführungen Deiner Gründerväter bald kennzeichnender für dieses Land sein als die Auswürfe der oft unbeabsichtigten Väter.

22.05.2018

Wegen des vielen Plastik-Mülls gibt es auf der Erde derzeit fünf Plastik-Ozeane – und besonders im Atlantischen Plastik-Ozean ist die sichtbare Wasseroberfläche nur noch so groß wie der Durchmesser eines Latte-Macchiato-Bechers.

Das ist kein Wunder. Immer mehr Menschen betreiben als Hobby das Wegwerfen von Plastikmüll. Beim dazu notwendigen Einkauf der teuren Plastikkapseln nehmen sie sogar den darin enthaltenen Kaffee in Kauf, den sie eigentlich gar nicht möchten, weil sie den gleichen Kaffee ja sonst überall viel günstiger haben können. 

Viele Menschen bezahlen also mehr Geld bzw. geben ihr Geld gern her, wenn sie dafür Plastikmüll bekommen. Bei dieser Entwicklung werden sich die Menschen in absehbarer Zeit sogar über einen geringeren Lohn freuen, wenn man ihnen diesen in einer Plastikverpackung aushändigt.

Natürlich ist es ehrenwert, wenn Menschen den Plastikmüll aus den Meeren zu entfernen versuchen, indem sie die Mikroplastik über den Nahrungskreislauf in ihrem Körper aufnehmen und die daraus resultierenden Gesundheitsschäden aufopferungsvoll ertragen.

Das weitere Zumüllen der Meere müssen wir dennoch verhindern. Es ist unsere Aufgabe, den nachfolgenden Generationen eine Welt zu hinterlassen, in der diese mit dem Erwerb eines Latte-Macchiato-Bechers die letzte Lücke in den Plastik-Ozeanen selber schließen können.

20.05.2018

Gewiss, liebe Medien, die meisten Menschen lieben die Hochzeiten Prominenter wie die gestrige, aber könntet Ihr dennoch auch mal mit genauso viel Engagement darüber berichten, wie Menschen durch eine Umstellung ihrer Lebensweise die Artenvielfalt auf der Erde erhalten können, anstatt bei jeder Gelegenheit darüber, wie Mitglieder des britischen Königshauses durch eine Heirat – bis auf seltene Ausnahmen wie gestern – die Genvielfalt auf der Erde verringern.

19.05.2018

Liebe Medien, rückblickend auf diese Woche noch eine Empfehlung: Als die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel bei ihrer Bundestagsrede am Mittwoch erneut widerlichen Unsinn äußerte und Ihr danach über Alice Weidel berichtet habt, als gäbe es keine anderen von Menschen verursachten Unfälle, da tatet Ihr genau das, was Alice Weidel beabsichtigt hat, weshalb sich diese sprechende Jauchegrube danach von ihren Anhängern als vermeintliche Heldin im Widerstand gegen eine unfähige Bundesregierung feiern lassen konnte.

Ihr, liebe Medien, solltet fortan mit AfD-Politikern genauso umgehen, wie man es mit Müll macht: Zweifellos muss erörtert werden, wie man Müll umweltfreundlich los wird. Zweifellos muss darüber debattiert werden, wie man das Müllaufkommen in Zukunft möglichst gering halten kann. Aber dazu berichtet man nicht über jeden Gestank, den ein Müllhaufen absondert, denn damit macht man einen Müllhaufen unnötig größer als er ist.