Satire-Blog

17.12.2021

In dem CDU-Mitgliederentscheid über den neuen Parteivorsitzenden wurde Friedrich Merz gewählt. Statt Armin Laschet nun Friedrich Merz – das ist für die Bürger Deutschlands, als ob der Arzt dem Patienten bekanntgäbe: „Sie haben bald keinen Schnupfen mehr, aber fortan Diarrhoe."

16.12.2021

Entgegen Eurer Empörung, CDU- und CSU-Bundestagsabgeordnete, hat es für Euch keinen Nachteil, dass Ihr wegen eines aktuellen Bundestagsbeschlusses fortan neben der AfD sitzen müsst. In Anbetracht dessen, wie sich viele CDU- und CSU-Bundestagsabgeordnete über Menschen aus anderen Ländern und Migration äußern, war ohnehin kein Unterschied mehr zu erkennen.

15.12.2021

Liebe Afghanen, Ihr seid zweifellos in Not: Seitdem die Taliban die Macht zurückerobert haben, unterdrücken sie wieder Frauen, rekrutieren Kindersoldaten und haben mehr als 100 ehemalige Sicherheitskräfte ermordet. Über die Hälfte des afghanischen Volkes leidet Hunger; und es fehlt an Medikamenten.

An Eurer Not seid Ihr jedoch selbst schuld: Das einzige, was Euch noch retten könnte, wäre die Anteilnahme und humanitäre Unterstützung der Weltgemeinschaft. Und im August dieses Jahres, als nach Deutschland auch die USA ihre Soldaten abzogen, hattet Ihr die Chance, Euer Leid auf die paar Tage zu konzentrieren, an denen Euch die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zuteilwurde.

Diese Gelegenheit war deshalb einmalig, weil zum Beispiel die Menschen in Deutschland vom inhaltsleeren Bundestagswahlkampf gelangweilt und hinsichtlich des Endes der Corona-Maßnahmen optimistisch waren.
Ihr habt Euer Leid jedoch so weit ausgedehnt, bis die meisten Menschen in Deutschland nun schon damit vollauf zu tun haben, mit dem Ausfall des Karnevals zu hadern oder sich über den umstrittenen Elfmeter für Bayern München im Spiel gegen Borussia Dortmund zu empören oder gegen die vermeintliche Machtübernahme nichtexistierender Echsenmenschen anzukämpfen.

Darin, dass Ihr nur mit Eurem Leid beschäftigt seid und kein Gespür für die fehlende Aufmerksamkeit anderer Menschen habt, offenbart sich ein Mangel an Empathie, der charakteristisch für diese Gesellschaft ist.

Im Hinblick auf das Ziel, endlich eine gerechte Gesellschaft zu schaffen, solltet Ihr zum einen darüber nachdenken, welch ein Verschwenden von Lebenszeit es ist, dass Ihr Not leidet, während sich die meisten Menschen in Deutschland größtenteils von Belanglosigkeiten ablenken lassen.

Und infolgedessen solltet Ihr zum anderen Eure Not auf die wenigen Momente konzentrieren, in denen diese von den Medien in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wird.

@zum-Glück-werden-Ironie-und-Satire-niemals-missverstanden

13.12.2021

Du, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hast in einem Interview behauptet, hinter den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie steckten „Leute, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen" und „die Menschen gleichschalten" möchten.

Aber nur, weil es tatsächlich Leute gibt, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen und die Menschen gleichschalten möchten, bedeutet das keinesfalls, dass die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie genauso entstanden sind wie der Katechismus der Katholischen Kirche.

@Schluss-mit-antisemitischem-Verschwörungsgeschwurbel

11.12.2021

Viele Weihnachtsmärkte finden trotz der Corona-Pandemie statt – wohl deshalb, weil Virologen herausgefunden haben, dass das Coronavirus einen zu guten Geschmack hat, als dass es sich auf Weihnachtsmärkte begäbe.

Allein die Tatsache, dass dort Menschen mit Weihnachtsmützen herumlaufen, an denen LED blinken, ist der Beweis dafür, dass oft am falschen Ort nach Terrorzellen gefahndet wird.

An vielen Ständen gibt es Lebkuchen, wofür Menschen in liebevoller Arbeit Zementplatten mit Zuckerguss garniert haben.

Menschen kaufen sich als Weihnachtsdekoration singende Rentier-Plüschtiere, Glitzersternchen für die Fenster und mit Leuchtgirlanden behängte Weihnachtsengel als Pappaufsteller für den Garten – also Dinge, die an den Häusern dieser Menschen vorbeikommenden Gaunern offensichtlich signalisieren sollen: „Hier lohnt sich kein Einbruch – die Bewohner haben ja nicht mal Geschmack."

An Schießbuden frönen Menschen dem atavistischen Trieb, sich etwas durch Schießen zu erbeuten.
An anderen Buden ziehen Menschen Lose – und glauben bei einem Los mit der Aufschrift „Niete", der Gewinn bestünde in einem Treffen mit Christian Lindner.

Die meisten Besucher des Weihnachtsmarktes futtern Currywurst, Schokoladenäpfel sowie Zuckerwatte und schlürfen Glühwein sowie Rum – schließlich möchte man die Absage an die Verwandtschaft, der Einladung zum Weihnachtsfest wegen Übelkeit nicht folgen zu können, dieses Jahr glaubhaft vorbringen.

Auch der Umstand, dass viele Menschen auf dem Weihnachtsmarkt Jagertee trinken, basiert weniger auf dem Wunsch nach Genuss, sondern vielmehr auf dem Wunsch, angesichts all des Weihnachts-Schnick-Schnacks möglichst rasch zu erblinden.

Schlimmer als der jedem Weihnachtsmarktbesuch zugrundeliegende Geschmacksirrtum ist nur ein anderer: Viele Menschen huldigen der Religion Konsum, die auf dem Glauben beruht, mit dem Erwerb materieller Güter erwürbe man Glück.

Nicht, dass die christliche Religion berechtigter wäre. Mit dem Glauben an Gott ist es wie mit dem an den Weihnachtsmann: Sobald man anfängt zu denken, verschwindet er.

Doch statt einer der ehemals wichtigsten Botschaften des Weihnachtsfestes, ein Mensch solle möglichst viel Güte besitzen, folgen die meisten Menschen leider dem Lebensmotto, ein Mensch solle möglichst viele Güter besitzen.

Und gleichwohl diese Menschen dem Gott Konsum unterschiedliche Namen geben wie „Aldi", „Primark" oder „Amazon", so gehorchen sie dennoch denselben Zehn Geboten, darunter zum Beispiel:

2. Gebot: „Du sollst den Namen des Gottes nicht durch immaterielle Güter wie Hilfsbereitschaft verunehren."

4. Gebot: „Du sollst Schnäppchen und Schlussverkäufe ehren."

10. Gebot: „Du sollst begehren deines Nächsten Wohlstandslevel."

Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen darauf besinnen, was im Leben wirklich wichtig ist: anderen Menschen zu helfen und möglichst viel Zeit im Kreise seiner Liebsten zu verbringen. Und manchmal auch im Kreise seiner Familie.