Aktuelles - Satire-Blog

04.05.2020

(Achtung: Satire) Empfehlungsschreiben des Robert-Koch-Instituts an die Bundesregierung:

Sehr geehrte Bundesregierung,

die von Ihnen im letzten Jahr genehmigten Rüstungsexporte erreichten den Rekordwert in Höhe von 8,015 Milliarden Euro; und im ersten Quartal dieses Jahres haben Sie mehr Rüstungsexporte genehmigt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Wegen dieser virulenten Ausbreitung deutscher Waffen haben wir mal deren Auswirkungen untersucht und dabei festgestellt, dass Waffen tödlich sind. Eine präzis abgefeuerte Panzerfaust zum Beispiel ist genauso tödlich wie ein Coronavirus, das gerade eine Panzerfaust präzise abgefeuert hat.

Wir empfehlen für deutsche Waffen deshalb eine Ausgangssperre bzw. ein Kontaktverbot mit Menschen; und auch bei gelockerten Maßnahmen empfiehlt sich ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Krisengebieten und Ländern, in denen Krieg herrscht.

Während Menschen derzeit alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen einhalten müssen und infolgedessen weder verreisen noch ihre Verwandten besuchen dürfen, ballern deutsche Waffen fröhlich durch die Welt.

Waffen dürfen jedoch nicht mehr Rechte und Freiheiten haben als Menschen – unabhängig von der Tatsache, dass es eine große Schnittmenge zwischen Rechtsextremisten und Blindgängern gibt.

Das bei Ihnen so beliebte Argument, wonach Rüstungsexporte Arbeitsplätze sichern und wichtig für die Wirtschaft sind, ist schon deshalb unangebracht, weil Sie inmitten der Corona-Pandemie jedem Friseur und Theaterintendanten erklären, dass Menschenleben Vorrang vor Wirtschaftsinteressen haben.

Immer eine Empfehlung wert, Ihr Robert-Koch-Institut

PS: Dringend zu empfehlen ist außerdem, dass Sie für Steuergeldverschwendungsminister Andreas Scheuer und Nestlé-Werbemaskottchen Julia Klöckner schnellstmöglich kompetente Nachfolger finden. Das hat weder etwas mit den Rüstungsexporten noch mit der Corona-Pandemie zu tun – doch sogar für uns in vielerlei Hinsicht weltfremde Virologen ist makroskopisch erkennbar, dass die beiden nix auf die Reihe kriegen.

02.05.2020

Nicht geehrte Verschwörungstheoretiker und Dummheitspraktiker,

man kann an der Bundesregierung und den meisten Konzernchefs zu Recht viel kritisieren.

Man kann auch über manches Detail und die Dauer der Sicherheitsmaßnahmen während der Corona-Pandemie diskutieren.

Aber dass Ihr unter anderem behauptet, das Coronavirus wäre von der Bundesregierung erfunden oder von Bill Gates erschaffen worden, beweist, dass dort, wo bei normalen Menschen eine das Für und Wider abwägende Ratio sitzt, bei Euch eine Staubfluse mit ihrer Einsamkeit hadert.

Das Coronavirus wurde ebensowenig erfunden wie Verkehrsminister Andreas Scheuer. Beides sind reale Plagen, mit denen es fertigzuwerden gilt.

Und von wegen, Bill Gates hätte das Coronavirus erschaffen. Bill Gates konnte nicht einmal ein Betriebssystem erschaffen, das bei der Installation eines Druckers nicht ständig abstürzt.

(Wenn Bill Gates etwas erschaffen hat, was die damit in Kontakt kommenden Menschen zugrunde richtet, dann war es Windows 10.)

Also hört auf mit dem Verbreiten Eurer Verschwörungstheorien; verbringt Eure Zeit mit für Euren Intellekt verständlichen Dingen wie Malbüchern.

Und haltet unabhängig von der Corona-Pandemie einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu demjenigen, den Ihr neben Euch laufen habt.

30.04.2020

Du, Recep Tayyip Erdogan, befürwortest die vom Präsidenten der türkischen Religionsbehörde gemachte Aussage, an der Corona-Pandemie mitverantwortlich sei Homosexualität.

Na klar. An der Corona-Pandemie genauso mitverantwortlich wie Homosexualität sind außerdem Zimtschnecken und Turnschuhe.

Zu klären ist noch, was mitverantwortlich an Deinem Geisteszustand ist: zu viel Zeit in einem türkischen Dampfbad und lustlose Ziegen?

29.04.2020

Du, Boris Palmer (Oberbürgermeister Tübingens), hast in einem Interview hinsichtlich der Corona-Pandemie kritisch geäußert, „wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen sowieso tot wären."

Gerade Du solltest keine Gesellschaft befürworten, die ältere, kranke oder in irgendeiner Weise beeinträchtigte Menschen im Stich lässt. In solch einer Gesellschaft haben die Einwohner einer Ortschaft denjenigen unter ihnen, der die irrsinnigsten Aussagen herausposaunt hat, bestenfalls als Ortstrottel belächelt, anstatt ihn in das Amt ihres Oberbürgermeisters zu wählen.

28.04.2020

Glücksratgebern, geschrieben von Psychologen mit einem Abschluss an der Volkshochschule Wiedenborstel nach der Lektüre von elf Glückskekszetteln, entnehmen viele Menschen die vermeintliche Lebensweisheit, jeden Moment glücklich zu sein, indem man mit dem zufrieden ist, was man hat.

Richtig daran ist natürlich, dass man seine Lebenszeit nicht mit dem Anhäufen materieller Dinge und auch nicht mit dem Ärger über Nebensächlichkeiten verschwenden sollte. Falsch daran ist der glücksheischende Blick auf sich selbst.

Wer ständig auf sein Glück schaut, der übersieht das Unglück anderer Menschen.

Wer sich ständig darüber freut, ein Dach über dem Kopf und keinen Hunger zu haben, der vermisst zwar weder einen Mercedes noch einen Sechser im Lotto, aber er übersieht all die vielen Menschen, die Not und Elend leiden. All die vielen Menschen auf der Welt, die sich nicht einfach sagen können: „Och, ich hatte heute wieder einmal nichts zu essen – dafür werde ich nicht dick."

Oder: „Wegen des Krieges in unserem Land wurde ich eben von Gewehrkugeln in den Magen getroffen – na, dann habe ich heute endlich mal was im Bauch."

Kein Menschenrecht, kein humanistischer Fortschritt, kein Ansatz von Gerechtigkeit wurde jemals dadurch erreicht, indem die Menschen mit dem zufrieden waren, was sie hatten.

Hätten die Sklaven gelernt, die Kette an ihrem Bein als eine Art Kündigungsschutz zu betrachten, dann wären sie zwar im Moment glücklich gewesen, aber es gäbe immer noch keine UN-Menschenrechtsabkommen.

Hätten die Frauen gelernt, am Herd mit der allgegenwärtigen Wärme zufrieden zu sein, dann wären sie zwar im Moment glücklich gewesen, aber es gäbe immer noch keinen Ansatz von Gleichberechtigung.

Würden alle Menschen in Europa versuchen, jeden Moment wegen ihres Lebensstandards glücklich zu sein, obwohl der Lebensstandard der meisten derzeit auf der Zerstörung der Natur und der Ausbeutung anderer Menschen basiert, dann blieben all die Ungerechtigkeiten auf der Welt bestehen und infolgedessen auch die Menschen in Europa so unglücklich, dass sie sich weiterhin gegenseitig diskriminieren oder ihr Seelenheil in stümperhaften Glücksratgebern suchen.

Der Sinn des Lebens, der nebenbei langfristig glücklich macht, besteht darin, anderen Menschen und Lebewesen zu helfen, glücklich zu werden.

Wirkliches Glück entsteht durch gemeinsames Glück.