Satire-Blog

10.12.2020

Viele Menschen beginnen nun in besonderem Maße mit dem Konsum materieller Dinge. Mancher macht zum Beispiel seiner Partnerin zu Weihnachten ein Geschenk, wonach sie sich über eine besondere Halskette freut und ein Elefant fortan mit einem AOK-Gebiss herumlaufen muss.

Jeder Mensch kann gerade die Weihnachtszeit jedoch auch dazu nutzen, um alles auszusortieren, was im Grunde überflüssig ist: die im Kleiderschrank wie Sedimentschichten abgelagerten Kleidungsstücke, Artikel wie Tomatenstrunkentferner und häufig auch ... „Hey! Du hast doch gesagt: ‚Bis dass der Tod uns scheidet.'"

Auf materielle Dinge zu verzichten fällt vielen Menschen natürlich schwer. Infolgedessen auf sich selbst reduziert, spüren viele eine Leere, deretwegen der Kauf banaler und nutzloser Dinge eine Art Selbstoptimierung ist.

Konsumverzicht ist jedoch erstrebenswert: Der Carport, worunter der Zweitwagen vieler Familien steht, war mal ein Regenwaldbaum, in dessen Schatten die halbe Fauna ungestört Orgien feierte.

Und seit der zunehmende Plastikmüll die Gewässer verstopft, bekommen immer mehr Buntkarpfen-Weibchen keinen Nachwuchs, weil sie in dem Wirrwarr mit einer Lidl-Tüte schäkern.

Das Fokussieren auf materielle Dinge versperrt zudem die Sicht darauf, was tatsächlich bedeutsam ist. Viele Menschen schwärmen für antike Kostbarkeiten, und im Altersheim bastelt sich Oma einen Enkel aus Zahnstochern.

Menschen sollten damit aufhören, ständig das neueste Produkt zu ergattern, und stattdessen mehr Zeit mit anderen verbringen: nicht nur einmal in zehn Jahren, sondern fortan einmal in fünf Jahren zum Beispiel diejenigen besuchen, denen sie ihre Geburt verdanken – und damit nicht gemeint sind die ohnehin meist nicht mehr existierenden VW-Autositze der Eltern.

08.12.2020

So manche Maßnahme, die die Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beschlossen hat, ist kritikwürdig. Allein deshalb, dass die Bundesregierung die Kulturbranche im Stich lässt, schmökert das Karma in Fachlexika unter „Verstopfung, lebenslang".

Ungerechtfertigt ist und bleibt es jedoch, Verschwörungsgeschwurbel zu verbreiten. So behaupten die Quatschdenker zum Beispiel, die reiche Elite, zu denen sie die Juden zählen, sperre Tausende Kinder in unterirdische Gefängnisse und foltere sie, um aus ihrem Blut ein Verjüngungselixier herzustellen.
Natürlich ist das Unsinn.
Verjüngungselixier für die reiche Elite ist das Lachen darüber, dass Quatschdenker gegen Juden hetzen und die tatsächlich reiche Elite mit dem Kauf von Nestlé- und Amazon-Produkten noch reicher machen.

Die Aluhirne behaupten außerdem, Microsoft-Gründer Bill Gates habe das Coronavirus erschaffen, um mit dem Verkauf eines Impfstoffs noch mehr Geld zu verdienen.
Ausgerechnet Bill Gates soll also das Coronavirus erschaffen haben?! Bill Gates konnte nicht mal ein Betriebssystem erschaffen, das beim Installieren eines Druckers nicht ständig abstürzt.

Wenn die Aluhirne schon die einzig richtige Wahrheit verkünden möchten, dann doch zumindest die einzig richtige: Bill Gates hat das Windows-Betriebssystem erschaffen, um noch mehr Geld mit dem Verkauf von Vorschlaghämmern zu verdienen.

Verschwörungsgeschwurbel entsteht, weil die Verkehrtdenker komplexe Probleme nicht verstehen und einfache Erklärungen suchen. Eines ist ja unbestritten: In der Politik und Wirtschaft gibt es natürlich Betrug und Intrigen – das ist so sicher wie der Missbrauchsfall in der Kirche.

Um die tatsächlichen Machenschaften aufzudecken, bedarf es jedoch eines klaren Verstandes – und nicht eines Geschwafels, dessen Urheberschaft mehrere Joints und eine Quecksilbervergiftung innehaben.

Die Fähigkeit, eine weltweite Verschwörung zu durchschauen, glauben ja ausgerechnet Menschen zu besitzen, die nicht mal eine Fensterscheibe durchschauen können.

Absurde Spekulationen zu verbreiten hat für die Verkehrtdenker zwei Vorteile: Zum einen stehen sie plötzlich im Blickpunkt der Öffentlichkeit – ausgerechnet sie, die von ihren Mitmenschen sonst meist so viel Beachtung bekommen wie ein Diätplan am dritten Tag eines neuen Jahres.

Zum anderen generieren sie damit das erhabene Gefühl, zu einer verschworenen Gemeinschaft zu gehören und als deren Mitglied auf andere Menschen hinabsehen zu können: auf all die unsäglich dummen Menschen, die die Profitgier Bill Gates' und der Pharmakonzerne vermeintlich nicht durchschauen, während sie, die Erwachten, mit Spenden und dem Kauf von Merchandising-Produkten die Privatkonten der Quatschdenker-Gründer füllen.

Auf all die unsäglich naiven Menschen, die vermeintlich weder zu hinterfragen noch selbst zu denken wagen, während sie, die Erleuchteten, sofort begeistert zustimmen, wenn Xavier Naidoo und Attila Hildmann etwas äußern mit dem Wahrheitsgehalt von Grimms Märchen oder Trumps diesjähriger Wahlsiegerklärung.

So gewiss manche Maßnahme der Bundesregierung kritikwürdig ist, so gewiss bedarf es endlich der Herdenimmunität gegenüber Einfältigkeit und Egoismus.

04.12.2020

Ihr, AfD-Politiker, habt im Streit über die Erhöhung des Rundfunkbeitrags erneut gefordert, den Rundfunkbeitrag abzuschaffen, denn dieser sei „undemokratisch", „ungerecht", „voreingenommen", „vermessen" und „unnötig".

Dass gerade Ihr den Rundfunkbeitrag aus diesen Gründen abschaffen möchtet, ist so, als würde McDonalds das Abschaffen von Süßigkeiten fordern, weil diese ungesund sind.

03.12.2020

Herr M. war zunächst wütend wegen der Regelung, dass sich zu Weihnachten nicht mehr als zehn Menschen treffen dürfen, machte ihm dies doch bewusst, dass nicht mal ein paar Menschen mit ihm Weihnachten feiern möchten, sondern dass er von seinen achtzigjährigen Eltern, über deren Kochkunst er sich immer beschwert, die Nachricht erhalten hat, sie hätten sich beim Training für die Leichtathletik-WM verletzt, und dass er von seinen Geschwistern, über deren Partnerwahl er sich ständig lustig macht, die Mitteilung bekommen hat, sie seien in ihrem Tropenurlaub eingeschneit, und Trost fand Herr M. schließlich nur in der Gewissheit, die Bundesregierung sei schuld an seinem einsamen Weihnachtsfest.

02.12.2020

Ihr, Briten, seid aus der EU ausgetreten, weil Ihr Euch Unabhängigkeit vortäuschen möchtet, ergattert aus der EU jedoch alles für Euch vorteilhafte: Impfstoff, Jürgen Klopp, richtiges Essen.

Damit Ihr lernt, dass auch gute Handelsbeziehungen mit Aufopferungsbereitschaft verbunden sind, müsst Ihr vor dem Impfstoff-Import den Text einer EU-Verordnung auswendig lernen.
Oder Euch eine Talkshow mit Karl Lauterbach ansehen.

Anderenfalls müsst Ihr Euch zur Immunisierung gegen das Coronavirus auf die abschreckende Wirkung Boris Johnsons verlassen.